Samtgemeinde Nordkehdingen
Mit Mut in die Zukunft
Pflege & Gesundheit
Medizin auf dem Land neu denken
Wie in Nordkehdingen an der Versorgung von morgen gearbeitet wird
Wie kann medizinische Versorgung auf dem Land funktionieren, wenn Arztpraxen fehlen, Wege weit sind und gleichzeitig immer mehr Menschen auf verlässliche Hilfe angewiesen sind? Mit genau dieser Frage hat sich in den vergangenen drei Jahren das Projekt PUG (Pflege und Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum stärken) beschäftigt. Initiiert wurde das Projekt von den Pflegepionieren aus Oldenburg, gemeinsam mit zahlreichen Partnern in der Region. Ziel war es, neue Wege für die medizinische und pflegerische Versorgung in Nordkehdingen und Drochtersen zu erproben.
Verschiedene Ansätze für eine bessere Versorgung
Im Projekt haben sich mehrere Ansätze herauskristallisiert, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: die medizinische Versorgung einfacher zugänglich zu machen.
Ein Baustein ist die assistierte Telemedizin. Dabei kommen geschulte Kräfte mit einem digitalen Arztkoffer zum Einsatz. Medizinische Daten wie Herz- oder Lungengeräusche, EKG-Werte oder andere Messwerte werden erfasst und an den Arzt übermittelt, der zugeschaltet wird und eine Einschätzung geben kann.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Versorgung in Pflegeeinrichtungen. Untersuchungen finden vor Ort statt, während der Arzt per Video zugeschaltet wird. Auch die Zusammenarbeit mit Fachärzten wird neu gedacht. In Hausarztpraxen werden Untersuchungen durchgeführt, während ein Facharzt digital eingebunden wird. Ergebnisse lassen sich direkt besprechen, ohne dass zusätzliche Wege notwendig sind.
Als vierter Ansatz steht mit dem AVAmobil eine mobile Lösung im Raum, die flexibel eingesetzt werden kann und Versorgung dorthin bringt, wo sie gebraucht wird.
Freiburg und Wischhafen als Praxisbeispiele
Für Nordkehdingen besonders relevant sind die Erfahrungen vor Ort. Im Pflegeheim in Freiburg wurde erprobt, wie Telemedizin im Alltag funktionieren kann. Atemgeräusche können digital übertragen werden, zusätzlich ist ein direkter Blickkontakt möglich. Auch in Wischhafen wurde die digitale Einbindung von Fachärzten getestet. Für viele Patienten bedeutet das eine deutliche Erleichterung, weil zusätzliche Termine und längere Fahrten entfallen.
Zwischen Skepsis und praktischer Erfahrung
Neue Wege in der medizinischen Versorgung stoßen nicht automatisch auf Zustimmung. Für viele Menschen gehört der persönliche Kontakt zum Arzt fest dazu. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Offenheit wächst, wenn Anwendungen im Alltag funktionieren und konkret helfen.
Es geht nicht nur um Technik
Im Verlauf des Projekts wurde deutlich, dass die Technik allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. Ärzte, Pflegeeinrichtungen, Kommunen und weitere Beteiligte arbeiten enger zusammen als zuvor. Es sind neue Kontakte entstanden und erste Strukturen gewachsen, auf denen weiter aufgebaut werden kann.
Dass das Projekt umgesetzt werden konnte, ist auch dem Engagement vor Ort zu verdanken. Die Samtgemeinde Nordkehdingen und die Gemeinde Drochtersen haben das Vorhaben nicht nur unterstützt, sondern auch mit rund 150.000 Euro kofinanziert.
Noch nicht fertig, aber auf dem Weg
Gleichzeitig ist klar, dass viele Fragen noch offen sind. Technische Voraussetzungen und Abläufe müssen weiterentwickelt werden. Auch die Einbindung weiterer Ärzte ist ein wichtiges Thema. Melanie Philip von den Pflegepionieren erklärt, dass das Interesse wächst. Weitere Ärzte haben signalisiert, dass sie sich künftig beteiligen können.
Ein Anfang, kein Abschluss
Für Nordkehdingen bleibt das Projekt eine Grundlage, auf der weiter aufgebaut werden kann. Melanie Philip bringt es auf den Punkt:
„Es ist nicht so, dass jetzt alles fertig ist. Aber wir haben vieles angestoßen, und jetzt geht es darum, dass wir gemeinsam dranbleiben und weiter daran arbeiten."Melanie Philip, Pflegepioniere
Sie wird das Projekt weiter begleiten. Gespräche sind bereits geplant.
Fragen oder Interesse an Zusammenarbeit?
Melanie Philip · ✉ PUG@pflegepioniere
Reportage
Von der Großstadt aufs Segelboot und zurück nach Kehdingen
Katharina Hatecke (33) und Jan Gutjahr (35) verbrachten ein halbes Jahr auf der Ostsee – und sind dann nach Freiburg zurückgekehrt. Foto: © Katharina Hatecke
Als Katharina Hatecke (33) und Jan Gutjahr (35) von ihrem Weg nach Freiburg an der Elbe erzählen, wird schnell klar: Dieser Weg war alles andere als gewöhnlich. Und genau das macht ihre Geschichte so besonders. Was die beiden erzählen, klingt im ersten Moment nach zwei ganz normalen Lebensläufen. Schule, Studium, Arbeiten, Leben in der Stadt. Und dann kommt irgendwann ein Punkt, an dem sich Dinge verändern. Aus einer Idee wurde ein Plan und aus dem Plan eine unvergessliche Erfahrung.
Wie alles angefangen hat
Katharina ist in Stade geboren und in Wischhafen aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es sie zunächst nach Hannover, wo sie ein Studium im Bereich Bauingenieurwesen begann. Doch schon nach etwa einem Jahr merkte sie, dass dieser Weg nicht der richtige für sie ist. Parallel arbeitete sie als Hostess und Barkraft, und genau dort stellte sie fest, was ihr wirklich Freude macht: das Organisieren, das Arbeiten mit Menschen und die Atmosphäre rund um Veranstaltungen. So entschied sie sich für ein duales Studium, das die Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau mit dem Abschluss als Diplom-Eventmanagerin verbindet.
Von 2012 bis 2017 lebte und arbeitete Katharina in Hannover. Sie blieb auch nach dem Studium in der Eventagentur, in der sie bereits während dieser Zeit tätig war. 2017 zog sie für sechs Jahre nach Hamburg, gründete dort für die Agentur einen zweiten Standort, leitete ihn als Prokuristin und war dafür verantwortlich, diesen später auch wieder zu schließen.
Jan kommt ursprünglich aus der Nähe von Mönchengladbach. Schon in der Schule war er als DJ unterwegs und arbeitete in Diskotheken. 2010 zog er nach Hannover und machte dort seine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Er blieb dem Unternehmen, in dem er damals angefangen hatte, treu und arbeitet bis heute dort. Inzwischen leitet er seit vielen Jahren die Abteilung Projektplanung.
Kennenlernen über die Arbeit
Kennengelernt haben sich Katharina und Jan bereits im Jahr 2011. Damals war Jan als Veranstaltungstechnikdienstleister für die Agentur tätig, in der Katharina arbeitete. Man kannte sich also über viele Jahre aus dem beruflichen Zusammenhang. Erst 2022 lernten sich die beiden näher kennen, und aus dem beruflichen Kontakt wurde mehr. Für Katharina war das letztlich auch einer der Gründe, von Hamburg wieder zurück nach Hannover zu ziehen. Dort zogen die beiden zusammen und lebten bis Mai 2025 gemeinsam in Hannover.
Die berufliche Laufbahn
Beruflich hat sich bei Katharina in den vergangenen Jahren einiges verändert. Nach ihrer Zeit in der Agentur war sie noch bei einem Medienkonzern in Hannover tätig. Seit November 2025 arbeitet sie nun in Grünendeich bei der „Maritime Landschaft Unterelbe". Dort ist sie Eventmanagerin und Assistenz der Geschäftsstellenleitung und bringt viel von dem ein, was sie in der Eventbranche gelernt hat.
Parallel dazu arbeitet sie nebenberuflich für ein LinkedIn-Marketing-Unternehmen und plant dort unter anderem Workations. Auch Jan arbeitet heute zum großen Teil remote. Trotzdem fährt er weiterhin regelmäßig nach Hannover, um dort vor Ort zu arbeiten.
Eine Vindö 32 aus dem Jahr 1977 – das 8,95 Meter lange Boot wurde ihr Zuhause für ein halbes Jahr. Foto: © Katharina Hatecke
Segeln war schon da und wurde dann immer größer
Das Segeln war für Katharina nichts völlig Neues. Ihr Vater Rainer Hatecke ist Inhaber der Freiburger Werft, und in der Familie spielte das Leben auf dem Wasser immer eine Rolle. Bei Jan war das anfangs anders. Doch 2023 war er das erste Mal mit Katharinas Familie auf der Elbe segeln und verliebte sich sofort in das Familienboot aus Vollholz. Jan schaute danach viele Segelvideos auf YouTube, beschäftigte sich immer intensiver mit dem Thema, und im Herbst 2024 kam bei den beiden die „Schnapsidee" auf, ein eigenes Boot zu kaufen und sich ein halbes Jahr Auszeit auf dem Wasser zu nehmen.
Die Vindö 32 und eine Entscheidung mit Folgen
Im Herbst 2024 schauten sich Katharina und Jan gemeinsam mit Katharinas Vater mehrere Boote an. Besonders angetan hatte es ihnen eine Vindö 32 aus dem Jahr 1977. Das 8,95 Meter lange Boot lässt sich gut handhaben und passte zu dem, was die beiden suchten.
Leben auf dem Boot beginnt schon vor dem Törn
Im Frühjahr 2025 gaben die beiden ihre Wohnung in Hannover auf, packten ihr Leben zusammen, brachten alles nach Freiburg und lagerten es dort ein. Das Paar zog auf das Boot, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch renoviert und ausgestattet wurde. Gemeinsam mit Rainer Hatecke machten sie das Schiff fit für die Reise. Es bekam Solar, Batterien und die technische Ausstattung, die nötig war, um auch unterwegs arbeiten zu können.
Ein halbes Jahr auf der Ostsee
Im Mai 2025 stachen Katharina und Jan schließlich in See und verbrachten ein halbes Jahr auf der Ostsee. Der Alltag sah plötzlich ganz anders aus. Wind und Wetter bestimmten den Tagesablauf. Pläne wurden spontan verändert. Nicht selten ging es ganz woanders hin als ursprünglich gedacht. Genau das machte für die beiden aber auch einen großen Teil des Reizes aus.
Warum Freiburg geblieben ist
Nach ihrer Rückkehr war für beide klar, dass sie nicht wieder zurück in ihr altes Leben wollten. Die Entscheidung fiel auf den Flecken Freiburg. Ausschlaggebend waren mehrere Dinge. Katharinas Familie lebt hier, das Boot ist hier, und schon während der Vorbereitungen und der Zeit vor dem Törn hatten beide gemerkt, wie wohl sie sich in Freiburg fühlen.
Inzwischen renovieren sie ein Haus direkt hinter der Werft und bauen sich dort Schritt für Schritt ihr neues Zuhause auf.
Ankommen zwischen Wasser, Weite und Familie
Was beide an Nordkehdingen schätzen, beschreiben sie sehr ähnlich. Die Landschaft ist wahnsinnig schön, sagen sie. Schafe auf den Wiesen, Wasser direkt vor der Tür, nicht mitten in der Stadt. Für sie ist das hier der richtige Ort zum Segeln, Radfahren, Laufen und Spazierengehen.
Auch dass Familie und Freundeskreis wieder näher zusammengerückt sind, empfinden beide als großes Geschenk. Katharina hat wieder engeren Kontakt zu alten Freunden, zu ehemaligen Schulkameraden und auch zu einem befreundeten Paar aus Oederquart. Für beide ist Freiburg inzwischen ein Stück Heimat und ein echter Ruheort geworden.
Nordkehdingen in drei Worten
Wie sie Nordkehdingen beschreiben würden? Grün, norddeutsch und herzlich. Beide haben das Gefühl, dass hier jeder jedem hilft.
Familienzuwachs mit vier Pfoten
Ganz nebenbei ist die kleine Familie noch größer geworden. Kater Pfote kam im Alter von nur wenigen Wochen zu den beiden und gehört seitdem fest dazu. Vielleicht wird er schon beim nächsten Törn mit an Bord sein.
Katharina und Jan haben einen Weg gewählt, der nicht ganz gewöhnlich war. Aber vielleicht ist genau das das Schöne an ihrer Geschichte: dass aus einer Schnapsidee ein neues Leben geworden ist.
Ehrenamt
Dorfmoderation in Kehdingen Oste
Engagiert für die Zukunft der Dörfer
Baljer Dorfmoderatoren: ein generationenübergreifendes Team, das sich aktiv für die Zukunft des Dorfes engagiert. Fotos: © May-Britt Müller
In Freiburg wird gemeinsam Müll gesammelt, in Balje wird über das Wohnen der Zukunft gesprochen und in Wischhafen entstehen neue Ideen für Begegnung und Ehrenamt. Hinter vielen dieser Entwicklungen stehen Menschen, die sich als Dorfmoderatoren engagieren.
In der LEADER-Region Kehdingen Oste hat sich dieses Engagement in den vergangenen Monaten weiterentwickelt. Bereits zum zweiten Mal wurden neue Dorfmoderatoren qualifiziert. Damit wächst ein Netzwerk, das die Zukunft der Dörfer direkt vor Ort gestaltet.
Zwei Durchgänge, viele Ideen
Die zweite Qualifizierungsrunde fand an zwei Wochenenden im September und November statt. Insgesamt sieben Teilnehmende aus der Region Kehdingen Oste sowie weitere aus benachbarten Regionen wurden in Freiburg/Elbe und im Alten Land ausgebildet. Bereits zuvor hatte es einen ersten Durchgang gegeben. Damals trafen sich die Teilnehmer in Balje. Dort sind heute sieben aktive Dorfmoderatoren im Einsatz.
Mit den neuen Dorfmoderatoren aus Freiburg und Wischhafen wächst die Zahl der Engagierten in Kehdingen auf 11. Weitere Qualifizierte in der Region gibt es in Großenwörden, Oldendorf und Oberndorf.
Die Qualifizierung umfasst insgesamt 48 Unterrichtsstunden. Inhalte sind unter anderem die eigene Rolle im Dorf, Kommunikation auch in schwierigen Situationen, die Entwicklung von Projektideen sowie Fördermöglichkeiten und Umsetzungsschritte. Organisiert und begleitet wurde die Maßnahme von der Freiwilligenakademie Niedersachsen gemeinsam mit der LEADER-Region Kehdingen Oste. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Sparkassenverbandes Niedersachsen.
„Was macht unser Dorf besonders?"
Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist die persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Ort. „Wir mussten unser Dorf vorstellen und hatten nur 30 Sekunden Zeit, um zu sagen, was es besonders macht", berichtet Wiebke Witthohn. Auch Lara Schotten aus Wischhafen erinnert sich daran:
„Man überlegt plötzlich ganz bewusst, was den eigenen Ort eigentlich auszeichnet. Zum Glück hatte ich im Vorfeld die Wischhafen-Chroniken gelesen."Lara Schotten, Dorfmoderatorin Wischhafen
Neben diesen kurzen Präsentationen gehört auch ein Methodenkoffer zur Ausbildung. Er vermittelt Werkzeuge, mit denen Projekte angestoßen, Gespräche moderiert oder Bürger beteiligt werden können. Ein praktischer Teil war zudem eine Ortsbegehung in Freiburg. Dabei wurden gezielt unterschiedliche Perspektiven eingenommen, etwa von Jugendlichen, Senioren oder Familien.
Die Rolle ist so vielfältig wie die Menschen selbst
Ein zentraler Punkt der Ausbildung ist die Frage, welche Rolle man als Dorfmoderator einnehmen möchte. May-Britt Müller, Regionalmanagerin der Region Kehdingen Oste, erklärt, dass diese Rolle ganz unterschiedlich ausgefüllt werden kann.
Lara Schotten sieht ihre Stärke vor allem in der Kommunikation und Vernetzung. Sie bringt Menschen und bestehende Strukturen zusammen. Burchard von der Decken aus Balje beschreibt sich als Ansprechpartner für Ideen und Probleme. „Ich höre zu und versuche Lösungen zu finden. Wenn ich sie nicht selbst liefern kann, kenne ich vielleicht jemanden, der weiterhelfen kann." Frank Maier aus Freiburg betont, dass es auch darum geht, mit schwierigen Situationen umzugehen. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen.
Projekte, die bereits Wirkung zeigen
Dass Dorfmoderation ganz konkret im Alltag ankommt, zeigen verschiedene Beispiele. In Freiburg wurde im April die Aktion „Freiburg räumt auf" umgesetzt. Anlass waren Rückmeldungen aus der Bevölkerung, dass der Ort stellenweise als ungepflegt wahrgenommen wird. Zudem wurde in Freiburg ein Informationsabend zur geplanten Einheitsgemeinde organisiert. Rund 80 Bürger nahmen teil und nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre Anliegen einzubringen.
In Balje stehen vor allem Fragen rund um das zukünftige Wohnen im Mittelpunkt. Wie kann ein Dorf so gestaltet werden, dass es für Jung und Alt lebenswert bleibt? Auch Themen wie Pflege und Unterstützung im Alter werden dort aktiv diskutiert. Ähnliches ist für Wischhafen in Planung.
Begegnung schaffen und Menschen erreichen
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Nähe zu den Menschen. In Freiburg haben Wiebke Witthohn und Renate Walter im Winter regelmäßig eine Punschbude am Hafen betrieben. So entstanden ganz unkompliziert Gespräche und Kontakte. In Balje gibt es mit dem Dorftreff einen festen Ort für Austausch. Ergänzt wird dieser durch eine regelmäßig erscheinende Infopost, die über aktuelle Themen informiert.
Lara Schotten verfolgt in Wischhafen einen ähnlichen Ansatz. Ihr ist wichtig, dass Menschen sich einbringen können, die sich nicht langfristig anbinden wollen oder können. „Jeder soll die Möglichkeit haben, sich projektbezogen einzubringen oder Ideen vorzuschlagen", erklärt sie.
Jung und Alt gemeinsam aktiv
Eine Besonderheit zeigt sich deutlich in Balje. Dort reicht das Alter der Dorfmoderatoren von Anfang 20 bis Mitte 70. „Diese Mischung ist etwas ganz Besonderes", sagt Burchard von der Decken. Wiebke Junge und Eske Meyer gehören zu den jungen Dorfmoderatoren in Balje. Beide bringen bewusst den Blick der jüngeren Generation mit ein.
Blick nach vorn
Die Dorfmoderation soll weiter ausgebaut werden. May-Britt Müller betont, dass es wichtig ist, möglichst viele Menschen in den Dörfern zu aktivieren. Ein weiterer Qualifizierungsdurchgang ist bereits geplant. Wer also Interesse hat, selbst Dorfmoderator zu werden, kann sich an die jeweilige Bürgermeisterin oder den Bürgermeister wenden.
Was ist Dorfmoderation?
Ein Instrument der ländlichen Entwicklung. Ziel: Bürger aktiv in die Gestaltung ihres Dorfes einzubeziehen. Geschulte Ehrenamtliche moderieren Gespräche, sammeln Ideen, vernetzen Menschen und unterstützen Projekte.
In Niedersachsen unterstützt durch das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. In Kehdingen Oste über die Freiwilligenakademie Niedersachsen.
Kontakt: ✉ dorfmoderation@nordkehdingen.de
Weitere Informationen: ml.niedersachsen.de/dorfmoderation
Freiburg/Elbe
Freiburg auf dem Weg in die Dorfentwicklung
Übergabe des Antrags zur Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm vor dem historischen Kornspeicher. Foto: © Jörg Petersen
Im März zeigte sich Freiburg/Elbe von seiner besten Seite, als sich bei strahlendem Sonnenschein Vertreter der Gemeindeverwaltung, des Rates und der Dorfmoderatoren am Hafen trafen, um zwei besondere Gäste zu begrüßen: Karin Beckmann, Landesbeauftragte und Leiterin des Amtes für regionale Landesentwicklung Lüneburg, sowie Lienhard Varoga, Leiter der Geschäftsstelle in Bremerhaven.
Nach einer rund einstündigen Besichtigung durch den historischen Flecken wurde der Antrag zur Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm feierlich vor dem historischen Kornspeicher übergeben. Darin spiegeln sich zahlreiche Wünsche und Ideen für die zukünftige Entwicklung Freiburgs wider.
Große Chancen, aber auch klare Herausforderungen
Denn so freundlich sich der Ort an diesem Tag präsentierte, die Herausforderungen sind bekannt: ein wenig attraktives Ortsbild, sinkende Einwohnerzahlen bei gleichzeitig steigender Überalterung, schließende Geschäfte, sanierungsbedürftige Gebäude, fehlende Treffpunkte und eine insgesamt geringe Aufenthaltsqualität, insbesondere am Hafen. Auch eine klarere Kommunikation nach außen wird als wichtig angesehen.
Die Hoffnung ist groß, dass die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm neue Impulse bringt.
Ideen aus der Mitte des Ortes
Bereits im Vorfeld wurden im Rahmen eines Workshops mit Vereinsvertretern, KiTa-Mitarbeiterinnen, Lehrkräften der GOBS sowie Ratsmitgliedern zahlreiche Ideen gesammelt. Auch die Dorfmoderatoren haben mit ihrer Wunsch-Punsch-Aktion in der Vorweihnachtszeit wichtige Anregungen aus der Bevölkerung aufgenommen.
Hafen und Ortskern im Fokus
„Für uns als Gemeinde stehen zwei zentrale Baumaßnahmen im historischen Zentrum im Fokus", erklärt Bauamtsleiter und Gemeindedirektor Ernst Hülsen. „Der unter Ensembleschutz stehende Hafen mit seinen Liegeplätzen für Segel- und Motorboote muss dringend saniert werden. Dabei geht es auch darum, den Hafen für Besucher und Einheimische besser erlebbar zu machen, etwa durch Sitztreppen am Ufer oder neue Aufenthaltsbereiche."
Samtgemeindebürgermeisterin Erika Hatecke ergänzt: „Ein weiteres wichtiges Projekt ist der Kauf des ehemaligen Amtsrichterhauses. Dort sind derzeit die Bücherei, das Institut für angewandte Biologie und der NLWKN untergebracht. Perspektivisch soll die Bücherei erweitert werden, um Raum für Schulklassen, Kindergartengruppen und öffentliche Veranstaltungen zu schaffen. Auch ein gemeinsamer Mittagstisch ist denkbar. Im Obergeschoss könnten zudem Wohnungen entstehen."
Weitere Ideen für die Zukunft
Darüber hinaus gibt es weitere Ansätze: mehr bezahlbarer Wohnraum für ältere Menschen in zentraler Lage, die Aufwertung des historischen Ortskerns durch Sanierungen, eine einheitliche Beschilderung sowie mehr Dialogformate und Aufenthaltsangebote. Auch Themen wie Sauberkeit und Blühflächen spielen eine Rolle.
Engagement, das bereits sichtbar ist
Dass bereits jetzt viel möglich ist, zeigen die Aktivitäten vor Ort. So fand am 11. April ein Müllsammeltag statt. Zudem haben die Dorfmoderatoren neue Formate etabliert, darunter Plattdeutsch-Abende und einen gut besuchten Infoabend zur Einheitsgemeinde. Der Austausch und das Miteinander stehen dabei klar im Mittelpunkt.
Ein positiver Blick von außen
Für Karin Beckmann war es der erste Besuch in der Region. Besonders hob sie die Lage an der Elbe, den maritimen Charakter und das Engagement der Menschen hervor.
„Ich habe den Eindruck, dass hier viele anpacken und gemeinsam Lösungen finden. Das ist eine große Stärke. Ich komme gerne wieder, am besten mit einer guten Nachricht."Karin Beckmann, Landesbeauftragte ARL Lüneburg
Entscheidung im Spätsommer erwartet
Ob Freiburg in das Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen wird, entscheidet sich voraussichtlich im Spätsommer. Im Falle einer Zusage würde im Herbst ein Planungsbüro beauftragt, das die Erstellung eines Dorfentwicklungsplans begleitet. Für Freiburg würde damit ein etwa einjähriger Prozess beginnen, an dem sich viele Bürger aktiv beteiligen können.
Kunst & Identität
Ein Bild für Freiburg und seine Zukunft
Das neue, rund elf Meter lange Graffiti am Freiburger Hafen vereint Wappen, Kirche, Kornspeicher, Pfahlewer und maritime Motive. Foto: © Wandkollegen
Freiburg an der Elbe setzt ein sichtbares Zeichen für seine Zukunft. Am Hafen entsteht ein großformatiges Graffiti auf einer rund elf Meter langen und zwei Meter hohen Betonwand. Es soll die Motivation, die Ideen und die Dynamik der Menschen widerspiegeln, die sich an den Vorbereitungen für den Antrag zur Dorfentwicklung beteiligt haben.
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Was macht Freiburg besonders? Welche Orte, welche Bilder, welche Geschichten verbinden die Menschen mit ihrem Flecken? Die Antworten aus einem Mini-Workshop sind in das Konzept eingeflossen und bilden die Grundlage für das geplante Kunstwerk.
Geschichte, die bis heute sichtbar ist
Ein zentrales Motiv ist das Freiburger Wappen mit der Burg. Auch wenn diese bereits im Jahr 1167 zerstört wurde, ist sie bis heute Symbol für die lange und bewegte Geschichte des Ortes. Damals setzte sich Heinrich der Löwe in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Bremer Erzbischof Hartwig I. durch und ließ Freiburg dem Erdboden gleichmachen. Die Burg verschwand, blieb jedoch im Wappen erhalten und steht bis heute für die historische Bedeutung des Fleckens.
Freiburg verfügte einst über Stadt-, Stapel- und Marktrechte. Durch die direkte Lage an der Elbe war der Ort über Jahrhunderte hinweg ein bedeutender Handelsplatz.
Das historische Zentrum prägt den Ort
Noch heute ist diese Geschichte im Ortsbild sichtbar. Viele Gebäude aus dem 19. Jahrhundert prägen das eng bebaute historische Zentrum rund um die St. Wulphardi Kirche. Sie wurde nach der Sturmflut von 1825 in den Jahren 1837 und 1838 neu errichtet. Auch die Erinnerung an die Sturmfluten gehört fest zur Identität der Region. Immer wieder kam es zu Deichbrüchen und schweren Schäden. Heute sorgen das Sturmflutsperrwerk und die Deiche für Schutz.
Landschaft, Leben und Bewegung
Freiburg zeigt sich heute als lebendiger Ort zwischen Natur, Geschichte und Entwicklung. Radfahrer prägen das Bild ebenso wie weite Rapsfelder. Windräder stehen für den Wandel hin zu erneuerbaren Energien. Gleichzeitig bleibt der maritime Charakter erhalten. Beliebte Trau-Orte wie Gut Schöneworth, der Historische Kornspeicher oder der Pfahlewer Oderik stehen für Freiburg als besonderen Ort zum Heiraten. Auch markante Bauwerke wie der Radarturm und die Kirche sind feste Orientierungspunkte im Ort. Auf dem Wasser erinnern Börteboote und Segelboote an die lange maritime Tradition, die bis heute Teil des Lebens ist. Ein weiteres prägendes Bild ist der Blick durch das geöffnete Sperrwerk auf die Elbe. Dahinter ziehen mitunter große Kreuzfahrtschiffe in Richtung Hamburg vorbei.
Kehdingen als besondere Region
Die Region Kehdingen ist weit über ihre Grenzen hinaus bekannt. Pferdeliebhaber aus aller Welt schätzen die traditionsreiche Zucht. Gleichzeitig ist die Landschaft Teil eines bedeutenden Vogelzugsgebiets. Im Herbst und Frühjahr rasten hier hunderttausende Zugvögel. Vom Aussichtsturm aus lassen sich diese Naturereignisse eindrucksvoll beobachten. Diese besondere Kombination aus Natur, Wasser und Weite soll künftig noch stärker in den Fokus rücken, auch im Zusammenspiel mit dem Hafen und touristischen Angeboten.
Ein starkes Symbol für den Aufbruch
All diese Elemente fließen in das geplante Graffiti ein. Es soll mehr sein als ein Kunstwerk. Es ist ein sichtbares Zeichen für das Selbstverständnis des Ortes. Freiburg an der Elbe steht für Wasser, Wind und Weite. Für Geschichte und Veränderung. Und für Menschen, die bereit sind, ihren Ort aktiv zu gestalten. Mit dem neuen Bild am Hafen wird genau das sichtbar gemacht. Freiburg setzt die Segel und nimmt Kurs auf die Zukunft.