Wie kann medizinische Versorgung auf dem Land funktionieren, wenn Arztpraxen fehlen, Wege weit sind und gleichzeitig immer mehr Menschen auf verlässliche Hilfe angewiesen sind? Mit genau dieser Frage hat sich in den vergangenen drei Jahren das Projekt PUG (Pflege und Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum stärken) beschäftigt. Initiiert wurde das Projekt von den Pflegepionieren aus Oldenburg, gemeinsam mit zahlreichen Partnern in der Region. Ziel war es, neue Wege für die medizinische und pflegerische Versorgung in Nordkehdingen und Drochtersen zu erproben.
Verschiedene Ansätze für eine bessere Versorgung
Im Projekt haben sich mehrere Ansätze herauskristallisiert, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: die medizinische Versorgung einfacher zugänglich zu machen.
Ein Baustein ist die assistierte Telemedizin. Dabei kommen geschulte Kräfte mit einem digitalen Arztkoffer zum Einsatz. Medizinische Daten wie Herz- oder Lungengeräusche, EKG-Werte oder andere Messwerte werden erfasst und an den Arzt übermittelt, der zugeschaltet wird und eine Einschätzung geben kann.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Versorgung in Pflegeeinrichtungen. Untersuchungen finden vor Ort statt, während der Arzt per Video zugeschaltet wird. Auch die Zusammenarbeit mit Fachärzten wird neu gedacht. In Hausarztpraxen werden Untersuchungen durchgeführt, während ein Facharzt digital eingebunden wird. Ergebnisse lassen sich direkt besprechen, ohne dass zusätzliche Wege notwendig sind.
Als vierter Ansatz steht mit dem AVAmobil eine mobile Lösung im Raum, die flexibel eingesetzt werden kann und Versorgung dorthin bringt, wo sie gebraucht wird.
Freiburg und Wischhafen als Praxisbeispiele
Für Nordkehdingen besonders relevant sind die Erfahrungen vor Ort. Im Pflegeheim in Freiburg wurde erprobt, wie Telemedizin im Alltag funktionieren kann. Atemgeräusche können digital übertragen werden, zusätzlich ist ein direkter Blickkontakt möglich. Auch in Wischhafen wurde die digitale Einbindung von Fachärzten getestet. Für viele Patienten bedeutet das eine deutliche Erleichterung, weil zusätzliche Termine und längere Fahrten entfallen.
Zwischen Skepsis und praktischer Erfahrung
Neue Wege in der medizinischen Versorgung stoßen nicht automatisch auf Zustimmung. Für viele Menschen gehört der persönliche Kontakt zum Arzt fest dazu. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Offenheit wächst, wenn Anwendungen im Alltag funktionieren und konkret helfen.
Es geht nicht nur um Technik
Im Verlauf des Projekts wurde deutlich, dass die Technik allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. Ärzte, Pflegeeinrichtungen, Kommunen und weitere Beteiligte arbeiten enger zusammen als zuvor. Es sind neue Kontakte entstanden und erste Strukturen gewachsen, auf denen weiter aufgebaut werden kann.
Dass das Projekt umgesetzt werden konnte, ist auch dem Engagement vor Ort zu verdanken. Die Samtgemeinde Nordkehdingen und die Gemeinde Drochtersen haben das Vorhaben nicht nur unterstützt, sondern auch mit rund 150.000 Euro kofinanziert.
Noch nicht fertig, aber auf dem Weg
Gleichzeitig ist klar, dass viele Fragen noch offen sind. Technische Voraussetzungen und Abläufe müssen weiterentwickelt werden. Auch die Einbindung weiterer Ärzte ist ein wichtiges Thema. Melanie Philip von den Pflegepionieren erklärt, dass das Interesse wächst. Weitere Ärzte haben signalisiert, dass sie sich künftig beteiligen können.
„Es ist nicht so, dass jetzt alles fertig ist. Aber wir haben vieles angestoßen, und jetzt geht es darum, dass wir gemeinsam dranbleiben und weiter daran arbeiten.”Melanie Philip, Pflegepioniere
Sie wird das Projekt weiter begleiten. Gespräche sind bereits geplant.
Fragen oder Interesse an Zusammenarbeit?
Melanie Philip · ✉ PUG@pflegepioniere